Burg Fleckenstein

 


Steckbrief

fleckenstein-allianzwappenNach dem frühen Tod von Kaspar von Kronberg (FS 76) im Jahr 1520 nahm seine Witwe Katharina von Kronberg (FS 74b) 1521 Philipp Kämmerer von Worms, gen. von Dalberg († 1533) als zweiten Ehemann und 1537 Friedrich von Fleckenstein zum dritten Mann.   Am Eingang des Treppenturms von Burg Fleckenstein ist das Allianzwappen von Fleckenstein und Kronberg zu finden (vgl. Abb.).

Katharina von Kronberg (FS 74b) wurde in Seltz beigesetzt. Dort ist ihr Epitaph trotz einiger Beschädigungen noch zu finden.

 

 

Geschichtlicher Abriss

Die Burg Fleckenstein ist eine mittelalterliche Felsenburg im Elsaß gewesen und die öffentlich zugängige Ruine befindet sich heute auf dem Gebiet von Frankreich (Département Bas-Rhin). Ursprünglich bestand die Anlage aus in den 30m hohen Fels geschlagene Kammern und Treppen, die nach und nach durch bauliche Teile erweitert und gesichert wurden.

Eine erste urkundliche Erwähnung der Ritter von Fleckenstein und damit indirekt auch ihres Stammsitzes gab es wohl bereits 1174. Die Ritter von Fleckenstein waren, wie die von Kronberg zu dieser Zeit, eine Familie von Reichsministerialen. Ein Kapitell, daß bei der teilweisen Rekonstruktion und Instandsetzung gefunden wurde, stammt aus dem frühen 12. Jhd. und bezeugt damit die Existenz einer ersten Burganlage spätestens zu dieser Zeit. Heute liegt die Burgruine im idyllisch und ruhigen Unterelsaß, zur Zeit ihrer Erbauung war jedoch die heutige kleine Straße am Fuß von Fleckenstein der Hauptverbindungsweg zwischen den beiden Kaisepfalzen in Kaiserslautern und Haguenau. Somit hatte sie damals auch eine strategische Bedeutung gehabt.

Nach dem Interregnum (1250 – 1273) steigen die Ritter von Fleckenstein nach und nach zur wohlhabendsten Familie im Unterelsaß auf. Die Familie bestand ursprünglich aus 3 Stämmen bzw. Zweigen, wovon einer Anfang des 14. Jhd. erlischt. Die beiden verbleibenden teilen sich die Burg in „vorderes Haus“ und „hinteres Haus“ auf und verwalten ihr Hab und Gut von dort aus gemeinsam. Eine Kopie eines Wandteppichs von 1562 gibt einen originalgetreuen Eindruck über die bauliche Situation der Felsenburg zur Zeit der Mitte des 16. Jhd..

Die Burg wurde 1680 von französischen Truppen des Königs Ludwig XIV. zerstört und der letzte Baron von Fleckenstein starb 1720 ohne männliche Erben, da sich sein einziger Sohn bereits 1710 selbst das Leben genommen hatte. Nach diesem Einschnitt ordnete Baron Heinrich Jacob von Fleckenstein seinen Nachlass und auf Beschluss des französischen Königs sollte die Baronie nach seinem Tod aufgelöst werden. In dem Zusammenhang setzte der König Fürst von Soubise Hercule-Mériadec de Rohan als Nachfolgenden Lehensträger ein. Nach dem Tod des letzten Fleckensteiners entbrannte jedoch ein Rechtsstreit, da die Schwiegersöhne des Barons von Fleckenstein die Entscheidung anfechteten. Dieser dauerte mehrere Jahre aber letztendlich fiel die Burg sowie aller anderer Adelsbesitz mit der französischen Revolution 1789 in allgemeines Nationaleigentum. Ab 1720 verwahrloste und verfiel die Burganlage allmählich. Ende des 19. Jhd. sowie in den 30er Jahren des vergangenen Jhd. wurden teilweise Sicherungen unternommen. 1862 wurde ein Aktenbestand „Fleckenstein“ im Rathaus Bischwiller gefunden und im regionalen Archiv in Straßburg gesichert. In der Zeit von 1960 bis 1990 wurde die Ruine umfassend beräumt und gesichert und zwischen 1998 und 2012 wurde sie für die touristische Nutzung wieder hergestellt. 2015 wurde von der Museumspädagogik ein neues Besucherkonzept umgesetzt, was die Burgruine heute zu einem hochinteressanten touristischen Ziel für Jung und Alt macht.

 

 

Bezug zu den Herren von Kronberg

Der herausragende Bezugspunkt zwischen beiden Familien war wohl die Ehe zwischen Friedrich von Fleckenstein und Katharina von Kronberg (FS 74b). Für Katharina war es die dritte Ehe und im Unterschied zu den beiden vorherigen kinderlos. Herausragend deswegen, weil beide auf der Burg gelebt haben und Friedrich ein Allianzwappen Fleckenstein Kronberg am Eingang des Treppenturmes anbringen lies. Außerdem hat Friedrich eine nachhaltige Rolle in der Kronberger Familie gehabt, weil er einer der drei Vormünder von Johann Eberhardt von Kronberg (FS 82) war und es eine Vielzahl von Familienentscheidungen der Kronberger gab, bei der er sein Mündel vertreten hat (s.u.)

Lange vor Katharina hatte Elisabeth von Kronberg (KS 28b, † 1416 in Schönburg am Rhein) einen Ritter von Fleckenstein geheiratet – Heinrich der Jüngeren. Aus dieser Ehe stammte Agnes von Fleckenstein († 09.07.1459), die später Eberhardt I. von Schönberg auf Wesel heiratete.

Margareta, die Tochter Jacob II. von Fleckenstein, heiratete 1539 wiederum als zweiten Ehemann Georg von Kronberg (FS 78). Diese Ehe brachte einen Sohn hervor – Johann Eberhardt von Kronberg (FS 82). Da sein Vater Georg bereits im Jahr seiner Geburt und seine Mutter 18 Jahre später starb, wurde sein Onkel Friedrich von Fleckenstein einer seiner Vormünder.

Oetter hat im sog. „Neuen Bau“ gegenüber der Kronberger Stadtkirche (Doppestraße) Fensterwappen gesehen und beschrieben, bei denen auch die Fleckensteiner vertreten waren. Diese Fenster existieren heute nicht mehr.

Ein Heinrich von Fleckenstein (höchstwahrscheinlich der Bruder von Friedrich von Fleckenstein) unterschreibt am 23. September 1597 mit etlichen anderen den Hochzeitsbrief von Balthasar von Dalberg mit Anna Margarete von Kronberg (44a).

Als Zeuge in Kronberger Verträgen tritt Friedrich von Fleckenstein auf:

Als Vormund für  Johann Eberhardt von Kronberg (FS 82) tritt Friedrich von Fleckenstein auf:

Gemeinsam mit den Kronbergern kämpfte er um den gemeinsamen Besitz der Ganerbengemeinschaft, zu der er indirekt auch dazugehörte:

Es wird Friedrich von Fleckenstein ein Brief zugeschrieben, der wahrscheinlich nach der Unterschrift und der abschließenden Bezeichnung von einem von Fleckenstein verfasst wurde: Brief an Graf Hartmut XVII. (50a) und seinen Bruder Graf Johann Daniel (50c), daß Kraft Adolf Otto, Graf von Kronberg und Hohengeroldseck (54) in Geroldseck den Untertanen die Huldigung verboten hat. Die Adressaten sollen sich an die Kreisfürsten von Konstanz und Württemberg wenden, wo die Schwäger (u.a. von Fleckenstein) die Klage einreichen und auch die Kosten übernehmen werden. Dies zeigt, wie eng und intensiv er in die Familienpolitik derer von Kronberg eingebunden war.

Aber auch sein Bruder Heinrich von Fleckenstein, der Probst zu Seltz war, wurde in Anspruch genommen. Zum Beispiel als am 17.03.1542 in Speyer der Deutsch- und Hochmeister Walter XI. von Kronberg (FS 75) und Heinrich von Fleckenstein, Freiherr zu Dagstuhl sowie Hans Albrecht von Adelsheim, Amtmann zu Bischofsheim, einen Streit zwischen Hartmut XII. (KS 37) einerseits und Georg (FS 78) und Kaspar II. (FS 77) andererseits entschieden.


Quellen:

Besonderer Dank gebührt Frau Susann Gemund-Karcher, die eine umfängliche Menge an Informationen zu den Fleckensteinern zur Verfügung gestellt und die bei der inhaltlichen Gestaltung einen großen Beitrag geleistet hat!

  • Die Herren von Kronberg und ihre Reichslehen 1189 – 1704 (Regestensammlung), Wolfgang Ronner, ISBN 3-7829-0507-5
  • Die von Kronberg und ihre Frauen, Wolfgang Ronner, 1992, ISBN 3-7686-6035-5
  • Die von Kronberg und ihr Herrensitz, Ludwig Freiherr von Ompteda, Frankfurt a.M., 1899
  • Nassauische Analen, Band 98, Die von Kronberg, Hellmuth Gensicke, Wiesbaden, 1887
  • Geschlechtsregister derer von Kronberg, Georg Hellwich, Mainz 1625
  • Hördter Dorfgeschichten – Spuren der Vergangenheit, Erwin Hinkelbein, Hördt, 2007, ISBN 13-978-3-0002-2410-2
  • Die Herren von Fleckenstein im späten Mittelalter, Peter Müller Steiner-Verlag Wiesbaden, 1990
  • Die Archives départementales du Bas-Rhin in Straßburg, Entstehung und Aufbau (1796–1870), Daniel Peter

Weblinks:

  • http://www.fleckenstein.fr/  (franz., deutsch, engl.)
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Fleckenstein
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Fleckenstein_(Adelsgeschlecht)
  • http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/Galerien/galerie683.htm
  •  http://regesta-imperii.digitale-sammlungen.de/regest/ri13_ri_1486-11-27_000004_000001_013_007_000_011886_0000000719 (Ächtung durch Kaiser Friedrich III.)
  • http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/lehm354

Bildquellen:

  •  eigene Aufnahmen

Hier noch einige Ansichten von Burg Fleckenstein: