Historisches Museum Frankfurt a.M.

 


Steckbrief

Im Historischen Museum Frankfurt steht die Hochzeitstruhe von Anna Margarete (KS 44a), Tochter von Hartmut XIV. von Kronberg (KS 44).

Das Original der linke Tafel des Altars der Kronberger Stadtkirche ist heute ebenfalls im Historischen Museum Frankfurt. Es spricht vieles dafür, dass Ulrich „der Rote“ von Kronberg (FS 63) den Kronberger Altar gespendet hat.

Geschichtlicher Abriss

Das Historische Museum in Frankfurt a.M. wurde 1877/78 ins Leben gerufen. Die Initiative dazu kam aus der frankfurter Bürgerschaft, diue einen Beitrag dazu leisten wollte, dass erhaltenswerte Kulturgüter der Stadt sowie der Umgebung von Frankfurt a.M. gesammelt und erhalten bleiben. Es hatte somit einen öffentlichen Bildungsauftrag. Durch das Museum sollte u.a. auch das Gedenken und der Bezug zur Zeit Frankfurts als Freie Reichssadt wachgehalten werden.

Mit Gründung der Weimarer Republik engte sich der Auftrag des Museums auf eine Art Heimatmuseum ein. Das hatte zur Folge das viele der Exponate an andere Sammlungen verkauft oder weitergegeben wurden. 1942 wurden große Teile der Bestände gesichert, jedoch nicht alles. So erlitt das Museum durch die Bombenangriffe während des II. Weltkrieges schwere Schäden und Verluste.

Nach 1945 wurde dem Haus wieder der ursprüngliche Auftrag zu Teil. Mitte der 50er Jahre wurden verschiedene Bauabschnitte zum Abschluss gebracht, so dass wieder eine nennenswerte Fläche für Ausstellungen aber auch für die wissenschaftliche Arbeit zur Verfügung stand.

2007 entschied die Stadt, den Museumsbau, außer den historischen Teil am Fahrtor, von Grund auf zu erneuern. Eine Wiedereröffnung ist für 2017 geplant. Im Frankfurter Stadtteil Höchst ist im Kronberger Haus heute eine Außenstelle des Historischen Museums, die Fayancen und Porzellane aus der Fertigung der Höchster Porzellanmanufaktur zeigt.

Die Hochzeitstruhe sowie der Altarflügel sind zwei der Ausstellungsstücke, die bis 2010 Teil der Dauerausstellung waren. Nach aktuellen Planungen (Nov. 2016) sollen sie wohl zukünftig nicht mehr Teil der neuen Dauerausstellung sein.

Bezug zu den Herren von Kronberg

historische Ansicht der Kronberger Johanniskirche zum Ende des 19. Jhd. (Ompteda)Die Tafel des „Kronberger Altars“, die sich heute im Historischen Museum in Frankfurt a.M. befindet, stammt ursprünglich aus der Kronberger Stadtkirche St. Johannis. Es kann davon ausgegangen werden, dass er zum Allerheiligenaltar gehörte und bereits in der ersten Johanniskirche, die 1355 gestiftet wurde, vorhanden war. Im geöffneten Zustand hatte der Allerheiligenaltar eine Breite von ca. 4m. 1550 soll es nach Oetter in der Kronberger Johanniskirche 5 Altäre und eine hohe Zahl von Epitaphien und Totenschildern gegeben haben. Vieles davon ist über die Jahrhunderte verschollen. Es wird von Bränden, Baueinstürzen und Absenkungen des Fußbodens berichtet, angefangen von den schweren Stadtbränden zum Ende des Mittelalters in Kronberg bis hin zu den Kriegschäden im II. WK.

In Omptedas Werk „Die von Kronberg und ihr Herrensitz“ ist eine Federzeichnung der Innenansicht der Kronberger Johanniskirche vom Ende des 19. Jahrhunderts erhalten. Hier war der Altar wohl schon nicht mehr im Raum angebracht, von dem heute nur noch die linke Tafel erhalten geblieben ist. Das ist umsomehr bedauerlich, da auf der rechten Seite bei den beiden anderen Königen mit hoher Wahrscheinlichkeit die Frau des Stifters (zumindest durch ihr Wappen) erkennbar und somit der Altar eindeutig zuordenbar gewesen wäre. Auf der Außenseite ist die Anbetung der Heiligen drei Könige mit Stifter zu sehen. Wolfgang Ronner vermutet als Stifter des Altars Ulrich „den Roten“ von Kronberg (FS 63). Der in Kurmainz bedeutende Ritter, der in der zweiten Hälfte des 14. Jhd. gelebt hatte, war Hofmeister, Erbtruchseß, oberster Amtmann und Vicedominus im Rheingau für den kurmainzer Fürstbischof. Als Grablege für sich bestimmte er das Kloster Eberbach.

Die Hauptansicht der Tafel, d.h. die Feiertagsseite, ist inzwischen so stark beschädigt, dass eine Interpretation sehr schwerfällt. Es sind jedenfalls 2 Gruppen zu jeweils 3 Figuren vor einem goldenen Hintergrund und sie sind jeweils von einem plastischen Maßwerg gekrönt. Zu erkennen ist noch ganz links der heilige  Antonius und Jacobus mit der Muschel steht rechts in der linken Gruppe. In der rechten Gruppe steht rechts ein Papst. die jeweils äußeren Figuren der beiden Gruppen wenden sich nach innen zu, was eine gewisse Geschlossenheit erzeugt. Auf dem verlorenen rechten Flügel waren vermutlich ebenfalls zwei Gruppen mit Heiligen, denn solche Altäre waren nahezu immer symetrisch angeordnet. Die ca. 2m breite Mitteltafel hat wahrscheinlich eine gemalte oder auch plastische Darstellung einer heiligen Szene gezeigt (üblich waren oft die Kreuzigung, der Gnadenstuhl oder die Madonna mit dem Jesuskind). Von den identifizierten Heiligen der linken Tafel war Antonius in besonderer Weise mit Kronberg verbunden, wurde ihm doch 1339 eine eigene Kapelle geweiht.

Anbetung der Heiligen drei Könige mit Stifter, Holz, Kronberg im Taunus, Kronberger Altar, Mitte 14. Jahrhundert, Rückseite

Zum Rest des Kirchenjahres war der Altar verschlossen und hat die Anbetung der drei Heiligen Könige gezeigt. Auffallend an dem Bild ist die große Zahl an Eisenhüten in den Wappenflächen des Schildes. Dieses deutet auf eine sehr frühe Zeit des Ursprungs hin, da nur zu dieser eine größere Anzahl als der später üblichen 4 pro Feld gebräuchlich waren. Der Engel, der links auf dem Bild quasi hineinfliegt, hat den Helm des Stifters in den Händen, der den für den Kronberger Flügelstamm übliche Helmzierde trägt. Auch dies weist u.U. auf Ulrich „den Roten“ (FS 63) als Stifter hin, da dieser ein Kronberger aus dem Flügelstamm war. Da der Altarflügel inzwischen stark in Mitleidenschaft gezogen ist setze ich zum Vergleich neben die Abbildung das Schwarzweiß-Bild von Ronner.

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Der Helm, den der Engel links dem Stifter aufsetzen will, entspricht fast deckungsgleich eines ehemaligen Epitaph aus der Kronberger Johanniskirche. Es ist einem Ritter von Kronberg gewidmet, der 1382 verstarb. Dieses Grabmal ist einerseits keinem der bekannten Kronberger Ritter zweifelsfrei zuordenbar und andererseits inzwischen verschollen. Durch eine Zeichnung Samuel W. Oetters in seinen „Wappenbelustigungen Sechster Teil“ ist es aber als Zeichnung auf S. 33 erhalten geblieben. Dies deutet darauf hin, dass diese Darstellungsweise zur damaligen Zeit üblich war. Wahrscheinlich ist dieses Epitaph auch einem Kronberger aus dem Flügelstamm gewidmet.

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Desweiteren steht im Frankfurter Historischen Museum auch noch die Hochzeitstruhe von Anna Margarete von Kronberg (KS 44a). Sie war die Tochter von Hartmut XIV. von Kronberg (KS 44) und seiner Margaretha Brendel von Homburg. Die Truhe war wahrscheinlich die Brautgabe zur Hochzeit Anna Margaretes (KS 44a) mit Balthasar Kämmerer von Worms gen. von Dalberg. Sie war am 14. Oktober 1599. Wahrscheinlich deshalb, weil ihr erster Mann bereits 1607 verstorben ist und sie danach 1614 ein zweites mal heiratete. Aber auch dieses Eheglück dauerte nicht lang, da sie bei der Geburt ihres Sohnes Johann Schweickhard von Schönburg auf Wesel bereits zwei Jahre nach ihrer zweiten Hochzeit am 28. Juni 1616 verstarb. Sie wurde in Niederolm bestattet.

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Sie weist von links links von der Mitte das Kronberger Wappen für ihren Vater Hartmut XIV. von Kronberg (KS 44) und rechts davon das Wappen ihrer Mutter Margarethe Brendel von Homburg. An den Außenseiten stehen die Wappen der beiden Großmütter, d.h. links außen das Wappen für Barbara, Freiin von Sickingen, die Mutter Hartmuts (KS 44), und rechts außen das für ihre Großmutter mütterlicherseits, Magdalena Rüd von Collenberg.

 


Quellen:

Besonderen Dank soll an dieser Stelle den Mitarbeitern des Historischen Museums ausgesprochen werden. Insbesondere Frau Dannhorn, die die Bilder vom Altarflügel zur Verfügung gestellt hat und Herrn Dr. Cilleßen für seine inhaltlichen Zuarbeiten!

  • Die Herren von Kronberg und ihre Reichslehen 1189 – 1704 (Regestensammlung), Wolfgang Ronner, ISBN 3-7829-0507-5
  • Die von Kronberg und ihre Frauen, Wolfgang Ronner, 1992, ISBN 3-7686-6035-5
  • Die von Kronberg und ihr Herrensitz, Ludwig Freiherr von Ompteda, Frankfurt a.M., 1899
  • Nassauische Analen, Band 98, Die von Kronberg, Hellmuth Gensicke, Wiesbaden, 1887
  • Geschlechtsregister derer von Kronberg, Georg Hellwich, Mainz 1625
  • Der wöchentlichen Wappenbelustigung Sechstes Stück, Samuel Wilhelm Oetter, 1764
  • XY (Beschreibung der Tafel des Allerheiligenaltars)

Weblinks:

  • http://www.historisches-museum.frankfurt.de/
  • http://www.historisches-museum.frankfurt.de/index.php?article_id=38&clang=0
  • http://www.kreisblatt.de/lokales/hochtaunus/vordertaunus/Auf-Spurensuche-in-Hoechst;art48711,1764999
  • http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/historisches-museum-unser-betonmonster-soll-schoener-werden-1282089.html
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Historisches_Museum_Frankfurt

 

Bildquellen:

  • (Historisches Museum) Wikipedia [gemeinfrei] Mylius/Photographs taken by me/2009
  • (Innenansicht Johanniskirche Kronberg) Ludwig Freiherr von Ompteda, Die von Kronberg und ihr Herrensitz
  • (Altartafel in Farbe „Anbetung der Heiligen drei Könige mit Stifter“) Historisches Museum Frankfurt a.M., Bildarchiv
  • (Altartafel in SW „Anbetung der Heiligen drei Könige mit Stifter“) W. Ronner, Die Herren von Kronberg und ihre Frauen, S. 162
  • (Epitaph, Kupferstich) Samuel W. Oetter, Der wöchentlichen Wappenbelustigung Sechstes Stück, S. 33
  • (Hochzeitstruhe) W. Ronner, Die Herren von Kronberg und ihre Frauen, S. 102

Hier noch einige Ansichten vom Historischen Museum in Frankfurt a.M. :