Steckbrief

Als Stadtkirche von Kronberg hat sie neben der Schlosskapelle eine zentrale Bedeutung im Zusammenleben zwischen den Herren von Kronberg und den Bürgern der Stadt. Der ursprüngliche Zustand ist nicht mehr erhalten, aber es sind eine Vielzahl von Epitaphe und andere Erinnerungen an die Kronberger erhalten. Wie alle Kirchen in Deutschland machten auch hier die Stadtbrände, Kriege und andere Zerstörungen nicht halt.

1898 ließ die Kaiserin Friedrich u.a. auch die Johanniskirche vollständig renouvieren, wodurch noch sehr viel Details erhalten geblieben sind.

 

Geschichtlicher Abriss

Die erste urkundliche Erwähnung des Gotteshauses geht auf 1355 zurück und berichtet, dass der Mainzer Erzbischof Gerlach am 30. Juli diese Kirche geweiht hat. Maßgebliche Bauherren waren die Cousins Frank VIII. sowie der damalige Vicedomus des Erzbistums im Rheingau Ulrich von Kronberg. Der heutige Chor ist der Rest der damaligen Kapelle nach dem Stadtbrand von 1437. Hier findet sich eines der ältesten Teile der Kirche, eine Sakramentsnische von 1355.

Stiftertafel

In der Johanniskirche befanden sich zu Beginn des 16. Jhd. noch insgesamt 5 Altäre, die aber wohl im Rahmen der Reformation ausgeräumt wurden. Nach dem Brand ließ Frank der XII. (der Reiche) das Langhaus und den Turm errichten. Aus einem Streit zwischen ihm und dem Baumeister geht hervor, dass der Turm nicht zur Stadtbefestigungsmauer gehörte, wie es andernorts oft anzutreffen ist. Über die Jahrhunderte wurde die Johanniskirche zur Grablege derer von Kronberg und Reifenberg, die in sehr enger familiärer Beziehung standen. Die Deckenbemalung von 1617 zeigt zwischen symetrischen Renaissance-Ornamenten musizierende Putten, die auch Waffen und Fähnchen mit dem Kronberger Wappen schwingen.

 

Bezug zu den Herren von Kronberg

Flügelaltar47 f. – Auf dem Kronberger Marienaltar (Abb. 25, S.48) wurde von Omteda Hartmut XI als Stifter und sein Vater Frank (links) sowie acht weitere Angehörige des damaligen Kronenstammes identifiziert. Die Kunsthistoriker meinen jedoch, dass das Bild um 1440 entstanden ist, was Hartmut XI als Stifter ausscheiden lassen würde. Q. 42,

 

 

 

Anna von Kronberg 1549, Kronberg95 – Anna, Tochter von Hartmut XIII., hat in der Johanniskirche in Kronberg einen Epitaph bekommen, der eigentlich nicht ihrem Alter entspricht. Sie ist mit gerade 2 Jahren gestorben, wird aber als junge Frau dargestellt (Q. 72). Oben sind die Wappen der Eltern dargestellt und unten heraldisch rechts die von Anna FS bzw. heraldisch links Anna von Handschuhsheim.

 

 

 

 

 

Altar Rückseite142f.- Hermann (53) hat die Kanzel der Johanniskirche in Kronberg gespendet. Auf der Rückwand hat er ein beachtliches Stifterdenkmal hinterlassen. In der Mitte sind die Wappen von Hermann und seiner Frau Sidonia. Abb. F20

 

 

 

 

 

 

Sakramentsnische von Hermann142 – Hermann hat auch eine Sakramentsnische in der Kronberger Johanniskirche gestiftet, bei der die Wappen ebenfalls in den Ecken zu finden sind (Abb. 137, S. 143)

 

 

 

 

 

 

Bank von Hermann (53)142 – Der mehrsitzige Kirchenstuhl in der Kronberger Johanniskirche geht auch auf Hermann (53) zurück. An der Seite sind die Wappen von Preußen und Großbritannien zu sehen, die an die Gemahlin Kaiser Friedrichs III., Tochter der Königin Victoria von England und wie die Mutter Victoria getauft. Sie hat sich bald nach dem Tod ihres Mannes (1888) in Kronberg niedergelassen. Als Witwensitz erbaute sie Schloß Friedrichshof. Die Burg Kronberg, ein Geschenk ihres Sohnes Wilhelm II. und die Johanniskirche ließ sie gründlich renouvieren. Ihrem Kammerherren Ludwig von Omteda befahl sie die Erforschung der Geschichte der Ritter von Kronberg.

 

142 – Bei den Angehörigen des Kronberger Geschlechts in der Kronberger Johanniskirche finden wir Hermann (53) mit seiner Frau und den Müttern der beiden (Abb. 138-140, S. 143)

Wappen der Anna Sidonia Brömser von RüdesheimWappen der Magdalena von SpieringWappen des Herman 53 von Kronberg

Bank143 – Interessant ist das Wappen in der Kronberger Johanniskirche über dem Spruch „Der Herr Bewahre deinen Eingang …“ (Abb. 141, S. 145). Es zeigt nicht nur das Kronenstammwappen von Hermann (53) sondern es ist auch der Reichsfreiherrenadler auf einem Herzschild aufgelegt und es ist um die Helmzier des Flügelstamms vermehrt. Außerdem sind zwei Kronen im 1. und 4. Feld abgebildet. Nachdem 1617 der Flügelstamm ausgestorben war, wurde am 25.4.1618 Adam Philipp in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Gleichzeitig wurde sein Wappen um die Helmzier des Flügelstamms vermehrt. 1623 wurde die Reichsfreiherrenwürde auf alle Herren von Kronberg erweitert und zu diesem Zeitpunkt kam wohl die zweite goldene Krone im Feld 4 dazu.

 

 

 

Epitaph von Anna Sidonia146 – Sehr prächtig ist das Epitaph von Anna Sidonia, der ersten Frau Hermanns (53) in der Kronberger Johanniskirche (Abb. F 21). Die 16 Familienwappen erzählen die Geschichte der Familie. Die Abkürzung D.O.M.S. steht für deo optimo maximo sanctum (Gott, dem Gütigen und Allmächtigen). Eine Übertragung ins heutige Deutsch des Textes würde ungefähr so lauten: „Zum Gedächtnis und zu Ehren der hochedlen Gattin von frömmster Gesinnung und beispielhaftem Lebenswandel, der Anna Sidonia Brömserin von Rüdesheim. Sie wurde 1589 geboren, hat sich am 29. September (den 3. Kalenden des Oktober) 1606 glücklich verheiratet und wird von sechs Söhnen und fünf Töchtern schmerzlich vermisst. – Nachdem sie dreizehn Jahre lang die liebenswerteste Gattin war, ist sie am 4. August (am Vortag der Nonen des August) 1619 vier Tage nach der elften Geburt fromm und friedlich entschlafen und in der Katharinenkirche in Oppenheim begraben worden. Hermann von Kronberg, der untröstliche Gatte, hat dies denkmal errichten lassen (H.M.P.C. = hoc monumentum poni curavit). Es ist die erste Ahnenprobe mit 16 Wappen.

 

 

Epitaph Casimir Heinrich von Bettendorf150 – Kasimir Henrich, der Sohn Maria Margaretha (53d), sein Epitaph (Abb.146, S. 151) ist daher in der Kronberger Johanniskirche. Der Stein lag lange neben dem Altar und ist stark abgetreten, aber der Name und die Wappen sind noch gut erkennbar.

 

 

 

 

 

 

Hartmut XVIII157 – Da Hartmut XVIII. ein entschiedener Verteidiger des lutherischen Glaubens für die Stadt Kronberg war, ist ein Portrait (Abb. 154, S. 158) von ihm  in der Johanniskirche erhalten.

 

 

 

 

 

 

Epitaph Philipp d J und Anna von Handschuhsheim171 – In der Kronberger Johanniskirche ist das Epitaph von Philipp dem Jüngeren (66) und seiner Frau (Abb. 167, S. 171). Eigenartigerweise sind die beiden seitenvertauscht. Ein stehender Engel hält die schwungvoll gearbeiteten Wappen und darunter breitet ein schwebender Engel das Schweißtuch der Veronika zwischen den Köpfen des Paares aus.

 

 

 

 

 

Epitaph Johann von Kronberg und Katharina von Reifenberg

169 – In der Kronberger Kirche steht das Grabdenkmal von Johann (FS 70) (Abb. 170, S. 174) und seiner zweiten Frau Katharina von Reifenberg.

 

 

 

 

 

Epitaph Philipp von Kronberg und Katharina von Bach175 – Philipp (74) war pfälzischer Marschall und Amtmann im pfälzischen Oppenheim. Bei ihm in Heidelberg hat Hartmut XII. die frühen Jugendjahre verbracht. Er erhielt von seinem Kurfürst die Altenbaumburg mit Alsenz als Erblehen und vom Pfalzgrafen erwarb er (1485) Sauerburg hinter Lorch am Rhein zunächst für 1000 Gulden und 1505 auf ewig (Q. 122). Seine Grablege (Abb. 174, S. 177) ist in der Kronberger Johanniskirche, auf der auch Katharina von Bach abgebildet ist, die aber in Oppenheim beigesetzt wurde.

 

 

 

 

Epitaph Walter von Reifenberg und Katharina von Krüftel

176 – In der Kronberger Johanneskirche gibt es eine Zahl Grablegen für die von Reifenbergs, die sehr nah mit den Herren von Kronberg verwandt waren (Abb. 171 – 173, S. 176) Walter von Reifenberg, der sich so demonstrativ von seiner Gattin Katharina von Krüftel wendet, ist der Vater von Katharina von Reifenberg, der zweiten Ehefrau von Johann (FS 70). der Bruder von Katharina von Reifenberg war Walter von Reifenberg, der mit Kunigunde von Hattstein verheiratet war und deren Sohn Walter von Reifenberg ebenso eine Grablege in der Johanniskirche gefunden hat. Philip (FS 74) von Kronberg, der Sohn von Johann (FS 70) hat mit seiner Frau Katharina von Bach auch seine letzte Ruhestätte an diesem Platz gefunden. Nachfolgend sind die Epitaphe in ihrer genealogischen reihenfolge abgebildet.

 

 

 

 

 

 

 

OhrenhelmAußerdem wurde im mittelalterlichen Schutt der Johanniskirche bei Arbeiten 1966 ein Türsturz (Abb. 210, S. 207) gefunden, bei dem ein geschlossener Helm mit Ohren sowie dem Wappen von Reifenberg zu sehen war (Q. 148).

Da beide Wappen eindeutig zu identifizieren sind, kann es sich nur um ein Torbogen von Frank VIII (OS 58), dem Begründer des Ohrenstammes und seiner Frau Loretta von Reifenberg handeln, d.h. er stammt aus dem 14. Jhd. Wie aber wiederum ein Torbogen in den Schutt der Johanniskirche kommt, muß wohl unbeantwortet bleiben, vielleicht aber in Folge des Stadtbrands 1437 und den nachfolgenden Aufräum und Aufbauarbeiten.

 

Stifterwappen Frank der Reiche OS und Katharina von Isenburg

209 – Frank (61) heißt der Überlieferung nach der Alte und der Reiche. Er hat nach dem Brand in Kronberg von 1437 vor allem zum Bau einer neuen und größeren Kirche beigetragen. Sein Wappen und das seiner Frau ist schon am Turm der Johanniskirche (Abb. 212, S. 209) und außerdem sind beide Wappen im Chor des Gewölbes (Abb. 214/214, S. 209). Dabei ist das Wappen von Katharina (Abb. 214) von Isenburg das Ehewappen und nicht das Allianzwappen des Paares.

 

 

Allianzwappen Frank des Reichen und Katharina von Isenburgs

Wappen von Frank dem Reichen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abhandengekomene Zeugnisse

Stifterfiguren Marienaltar210 – 1967 sind die Stifterfiguren (Abb. 218, S. 211) des Marienaltars der Kronberger Johanniskirche gestohlen worden und bisher
nicht wieder aufgetaucht.

 

 

 

 

 

 

verlorenes Fenster, Johann von Kronberg und Margarethe von Erlenbach-Weilbach

verlorenes Fenster, Johann von Kronberg und Margarethe von Erlenbach-Weilbach

Johann (FS 70) war zweimal verheiratet und Dank eines Wappenforschers aus dem 18.Jhd. ist hier eine Abbildung mit seiner ersten Frau Margarete von Erlenbach, gen. von Weilbach überliefert worden. Das Erlenbachwappen zeigt einen mit blauen Eisenhüten besetzten Strumpf, der von einer Krone abgeschlossen ist. Dieser Strumpf ist auch die Helmzier. Diese Darstellung des Strumpfes mit den Eisenhütchen hat sogar dazu geführt, dass man eine zeitlang über einen Kronberger Strumpf-Stamm spekulierte.

 

Von Johann (FS 70) ist aber ein Epitaph mit seiner zweiten Frau erhalten geblieben.


Quellen:

  • Die Herren von Kronberg und ihre Reichslehen 1189 – 1704 (Regestensammlung), Wolfgang Ronner, ISBN 3-7829-0507-5
  • Die von Kronberg und ihre Frauen, Wolfgang Ronner,
  • Die von Kronberg und ihr Herrensitz, Ludwig Freiherr von Ompteda, Frankfurt a.M., 1899
  • Nassauische Analen, Band 98, Die von Kronberg, Hellmuth Gensicke, Wiesbaden, 1887

Weblinks:

 

Bildquellen:

Hier noch einige Ansichten von