Rettershof (Kelkheim)

 


Steckbrief

Der heutige Rettershof war ein mittelalterliches Kloster. 1146 hat Graf Gerhard von Nüring es als Pämonstratenkloster gegründet und es hatte über Jahrhunderte eine wechselvolle Geschichte. Im Jahre 1581 fiel es an Kurmainz. Heute gehört der Rettershof der Stadt Kelkheim.

Das schmiedeeiserne Tor nimmt die Wappen derer auf, die für das vormalige Kloster bzw. den Rettershof von Bedeutung waren, unter anderem das Kronberger Wappen.

Geschichtlicher Abriss

Das Kloster Retters wurde 1146 von Graf Gerhard von Nüring gestiftet. Ursprünglich war es wohl ein Augustinerkloster, aber spätestens ab 1272 ein Prämonstratenkloster[4]. Obwohl der Name es auf den ersten Blick nahelegen würde, so sehr ist es in der Forschung umstritten, ob Christina von Retters (1269 – 1392) hier gelebt hat oder eher im Prämonstratenkloster in Hane (Pfalz)[5].

Schon recht bald, wenn nicht gar von Beginn an, war es ein Tochterkloster der Abtei Rommersdorf bei Neuwied. Da dem Prämonstratenser-Orden stets Männer und Frauen angehörten, war das Kloster zu Beginn ein Doppelkloster. Das heißt, hier haben Mönche und Nonnen in getrennten Gebäuden aber in einer gemeinsamen Klosteranlage gebetet, gearbeitet und gelebt. Um 1200 wurde es zu einem reinen Nonnenkloster. Im 13. Jhd. erlebte es wohl seinen Höhepunkt. Die Nonnen widmeten sich nicht nur Gebet und Landwirtschaft, sondern sie kopierten auch Schriften und waren in ihrer Umgebung in der Seel- und Armenfürsorge sowie in der Krankenversorgung tätig[4,6].

Ab der zweiten Hälfte des 14. Jhd. wurde die Existenzgrundlage des Klosters immer kritischer. Verschiedene Kriege und immer wieder die Pest sorgten für einen beachtlichen Rückgang der Bevölkerung sowie deren Verarmung. 1559 hat Ludwig Graf von Stolberg zu Königstein das Kloster im Rahmen der Reformation und nach dem Tod der letzten Äbtissin Anna von Riedesel aufgelöst und die letzten Nonnen mussten es verlassen. 1581 fiel das Kloster mit der gesamten Herrschaft Königstein durch Ludwigs Tod ohne Erben an Kurmainz. Zu dieser Zeit war es wohl schon als Wirtschaftshof genutzt[4].

Nach der Säkularisierung 1803 fällt der Hof an das Herzogtum Nassau und 1883 geht es an das Königreich Preußen über. Im nächsten Jahr wird es von Preußen an Friedrich Arnold Rodewald zu Feldheim verkauft und damit endgültig privatisiert. Er war es auch, der auf der Anhöhe das kleine Schlößchen im Tudorstil erbauen ließ, was heute als Hotel fungiert[4].

1924 wird der Hof durch die Familie von Richter erworben, die sich seitdem von Richter-Rettershof nennt. Das schmiedeeiserne Hoftor ließen 1931/32  die Eigentümer Felix und Hertha von Richter-Rettershof vom Kunstschlosser W. Stein aus Eppstein anfertigen[3]. Am rechten Torflügel rechts oben ist ein Kronberger Wappen angebracht.

Nach 1945 wurde der Hof von der US-Armee beschlagnahmt und bis 1953 genutzt. Direkt danach nutzte es die Organisation Gehlen, die der Vorgänger des heutigen Bundesnachrichtendienstes war. Das Hofgut selbst wurde weiterhin durch die Familie Richter-Rettershof bewirtschaftet. Im Schlößchen quartierte sich ab Mitte der 50er Jahre zuerst eine Sprachschule ein und von 1973 – 80 war die Zentrale der Internationalen Gesellschaft für Krishna-Bewußtsein Mieter des Hauses[7].

1980 übernahm die Stadt Kelkheim den Hof und die Ländereien von der Familie von Richter-Rettershof und baute es zur heutigen Nutzung aus.

 

Bezug zu den Herren von Kronberg

Im Torhaus des Rettershofes gibt es ein zweiflügliges schmiedeeisernes Tor mit insgesamt 8 Wappen. Die unteren 4 sind den ehemaligen Eigentümern gewidmet und die obere Reihe soll wohl einen historischen Kontext zeigen, den es für den Rettershof bzw. das vorherige Kloster außer bei den Eppsteinern so nicht gab. Denn weder den Reiffenbergern hätte man in Erinnerung an ihre Plünderung, noch den Kronbergern für den Kauf von Grundstücken des Klosters ein Wappen an dieser Stelle gewidmet. Die wahren Gründe, die 1931 zu dieser Entscheidung führten, bleiben im Nebel der Geschichte und wir verweigern uns jeglichen Spekulationen sondern suchen nach den vorhandenen Fakten.

Trotz der räumlichen Nähe zu Kronberg gibt es bisher nur einen sehr nebensächlichen Bezug zu denen von Kronberg. Wie oben geschildert, ging es dem Kloster Retters ab Mitte des 14. Jhd. wirtschaftlich immer schlechter. Um die Verluste zu kompensieren verkaufte das Kloster zum Teil seine Ländereien. So hat beispielsweise am 31. Mai 1369 Frank VIII. von Kronberg (OS 58) und sein Sohn Walter VIII. (OS 60) für 200 Gulden die Besitzungen von Treisberg abgekauft, die bis dahin ein wesentlicher Teil der Ländereien des Klosters Retters waren. Für das Kloster Retters hat Nesa von Ureberg gesiegelt und für die Abtei Rommersdorf Abt Walthum[1, Nr. 3670].

Gut und Gülte zu Treisberg tauchen dann am 1. Oktober 1404 in den Kronberger Regesten[1, Nr. 1333] wieder auf und zwar geht es um eine Erbregelung zwischen Hartmut „dem Älteren“ (KS 30), seine Ehefrau Lorchen (OS 60a) und Frank (FS 64) bezüglich des 1400 verstorbenen Walters VIII. (OS 60). Das nächste Mal tauchen Gülte und Gut zu Treisberg 1429 in den Regesten[1, Nr. 1429, Ziff. 3] auf, als es um eine Nachregelung des Erbes des seligen Walters VIII. (OS 60) geht.

Rechter Torflügel

rettershof-kronbergwappenDas Kronberger Wappen ist eines der acht im schmiedeeisernen Tor des Hofes dargestellten, wenn auch mit leichten heraldischen Fehlern. Von aussen betrachtet ist es auf dem rechten Torflügel rechts oben. Einersteits ist die Krone im Feld 4 zu viel, aber vor allem die Anordnung sowie die Anzahl der blauen Eisenhütchen ist falsch. Richtig wären je Feld 2 x 2 Eisenhütchen pfahlweise (direkt übereinander) abgebildet. Schon Wolfgang Ronner hat sich über diese Heraldik gefreut[2].

rettershof-eppsteiner-wappenLinks neben dem Kronberger Wappen ist das Eppsteiner Wappen auf Silber mit seinen drei roten Sparren zu sehen. Die Eppsteiner haben im 13. Jhd. das Kloster mit reichlichen Schenkungen versehen und sich es damit eng an sich gebunden. Sie wurden dadurch zu den Klosterherren von Retters[7]. Unter anderem hat Gottfried von Eppstein 1272 dem Kloster u.a. das Gut Treisberg geschenkt, was über 100 Jahre später von Frank VIII. von Kronberg (OS 58) dem Kloster abgekauft wurde.

rettershof-richter-wappenDarunter sind die beiden Wappen derer, die dieses Tor 1931/32 in Auftrag gegeben hatten. Heraldisch rechts (optisch gesehen links) ist das Wappen Felix Ludwig Karl von Richter (* 15. Februar 1877 in Reisse, bzw. seit dem Erwerb von Richter-Rettershof). Der Schild ist horizontal halbiert, oben ist auf Blau ein goldener Schwertarm und unten auf Weiss eine goldene Feuerschale. Die Decken sind wie der Schild horizontal blau-weiss halbiert und als Helmzier dient ein offener, gespaltener weiß-blauer Flug. Um die heraldische Regel „immer nur Farbe neben oder auf Metall bzw. umgedreht“ könnte man das weiß dargestellte auch als silbern interpretieren. Dann beisst es sich aber mit der goldenen Feuerschale (Metall auf Metall). Ob das Helmkleinod (Helmkette) gerechtfertigt ist, sollte hinterfragt werden. Eigentlich ist es denen vorbehalten, die Mitglied in den mittelalterlichen Turniergesellschaften waren. Das Richtersche Wappen macht aber einen wesentlich moderneneren Eindruck.

rettershof-rath-wappenUnter dem Kronberger Wappen ist das Wappen von Hertha von Richter-Rettershof, einer geborenen vom Rath. Sie heirateten am 26. Februar 1919 in Frankfurt a.M.. Ihr Vater war Dr. Carl Rudolf Walther vom Rath (* 11. Juli 1857 in Amsterdam, † 2. Februar 1940 in Kronberg i.T.), dem ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden (1890-1925) der Farbwerke Hoechst und dem stellv. Aufsichtsratsvorsitzenden der I.G. Farbenindustrie AG (1925-1937)[8]. Das Wappen ist ein goldener Schild mit zwei parallelen Pfahlstreifen in schwarz und rot. Abweichend von der eigentlichen Rathschen Helmdecke, die entsprechend der Pfahlfarben gefärbt war, sind die Decken bei dem vorliegenden Wappen heraldisch rechts horizontal rot-weiß und heraldisch links blau-weiß (wahrscheinlich als Zeichen der ehelichen Verbindung mit Felix von Richter, der ebenfalls blau-weiße Decken hat) gefärbt. Als Zier des Gitterhelms ist ein einfacher Flug mit weiß-goldnen Federn (3:2) genutzt. Im originalen Wappen derer vom Rath besteht die Helmzier ebenfalls aus einem 5-fedrigen Flug, jedoch nehmen die Federn die Farben des Schildes auf, d.h. von außen nach innen weiss, rot schwarz.

Linker Torflügel

rettershof-falkenstein-muenzenberg-wappenAm linken Torflügel ist links oben das Wappen der Herren von Falkenstein-Münzenberg zu sehen. Sie waren neben den Eppsteinern der nächste einflußreiche Adel für das Kloster Retters. 1433 spaltete sich die Eppsteiner Linie in Eppstein-Münzenberg (vorherig Falkenstein-Münzenberg) und Eppstein Königstein. Es ist ein quadrierter Schild. In Feld 1 und 4 ist auf Blau ein fünf-speichiges silbernes Rad. Eigentlich müsste es ein sechs-speichiges Rad sein, denn ein solches silbernes Rad auf blauem Schild war das Wappen der Bolanden von Falkenstein, aus deren Geschlecht auch die Herren von Falkenstein-Münzenberg stammen[9]. Die Felder 3 und 4 sind rot-gold geteilt dargestellt. Sie gehen zurück auf das Münzenbergsche Wappen, was ursprünglich ein goldener Schild mit rotem Schildkragen war. Mit der Zeit ist aber der Schildkragen immer größer geworden, bis er zur Teilung wurde.

rettershof-reiffenberg-wappenDas Wappen rechts daneben erinnert an dunkle Zeiten des Klosters. Es ist das Wappen der Reiffenberger, die das Kloster 1374 überfallen und schwer geplündert hatten. Der Wappenschild ist fünfmal rot-silbern schrägrechtsgeteilt mit einem darübergelegten dreilätzigen goldenen Turnierkragen.

 

rettershof-hessen-wappenRechts unten ist das Wappen derer von Hessen zu sehen. Auf blauem Schild ein in silber-rot mehrfach geteilter aufrechter Löwe. Anstatt der sonst üblichen goldenen Bewährung des Löwen wurde dem Schild eine goldene Herzogskrone übergeordnet. Es verweist auf Sybille von Hessen, die mit Ihrem Ehemann Freiherrn von Vincke von 1903 bis 1924 Eigentümerin des Rettershofes war[7].

 

rettershof-dieskau-wappenAls letztes dieser 8 Wappen ist links unten das Wappen derer von Dieskau zu sehen, in Blau eine rechtsgekehrte, zum Fluge geschickte silberne Gans mit ausgebreiteten Flügeln. Sie ist überdeckt mit einem schräglinkem roten Balcken. Auf dem Gitterhelm (mit Helmkleinod) mit blau-roter Wulst ein offener und gespaltener Flug (rot-weiss bzw. blau-weiss). Zwischen dem Flug ist ein gestürzter roter Kremphut mit einmal aufwärts geschlunger goldenen Schnur, deren Enden jeweils durch den Hut seitwärts nach unten abfliegen. Die Helmdecken sind  heraldisch rechts blau-silber-blau und gegenüber rot-weiss-rot. Das Wappen verweist auf Alice von Dieskau, geborene Rodewald (* 08. April 1854, † 19. Januar 1923 in Neapel), die von 1886 bis 1903 die Besitzerin des Rettershofes war. Ihr Vater, Friedrich Rodewald, reiste im Alter von 20 Jahren als Kaufmannssohn aus Bremen in die USA aus und lebte zunächst in New Orleans, wo auch seine Tochter Alice geboren wurde. Später zog die Familie von den USA nach Wimbledon/England und Sybille und ihr Vater lernten dort den Tudorstil kennen und lieben. In Wimbledon lernte Alice ihren ersten Ehemann, Ulrich von Dieskau, kennen. Die junge Familie weilte vor allem in Darmstadt und Wiesbaden. 1884 kaufte Friedrich Rodewald den Rettershof und ein Jahr später beginnt der Bau des Tudorschlösschens. 1886 verstirbt er plötzlich und seine Tochter übernimmt das Hofgut. Am 25. Mai 1886 heiratet sie zum dritten mal einen von Dieskau, Freiherrn Oskar Karl (* 5. Juni 1840 in Brüssel, † 18. März 1885 in Wiesbaden). 1903 verkaufen sie den Rettershof an Freiherrn von Vincke und seine Frau Sybille von Hessen und lassen sich in Königstein nieder[10].

 


Quellen:

Für eine Vielzahl von Informationen möchte ich an dieser Stelle vor allem dem Kelkheimer Stadtarchivar Dietrich Kleipa danken!

  • [1] Die Herren von Kronberg und ihre Reichslehen 1189 – 1704 (Regestensammlung), Wolfgang Ronner, ISBN 3-7829-0507-5
  • [2] Die von Kronberg und ihre Frauen, Wolfgang Ronner, 1992, ISBN 3-7686-6035-5
  • [3] Aufzeichnungen des Kelkheimer Stadtarchivars Herr Dietrich Kleipa

Weblinks:

  • [3] http://www.rettershof-kelkheim.de/index.php/historie.html
  • [4] http://www.dilibri.de/rlb/periodical/pageview/222502 (Leben und Geschichte der Christina von Retters, Kurt Köster)
  • [5] http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/vordertaunus/Hier-hatten-Frauen-das-Sagen;art48711,1318381
  • [6] http://www.taunus-zeitung.de/lokales/main-taunus-kreis/Wechselvolle-Historie;art676,2149998
  • [7] https://de.wikipedia.org/wiki/Rettershof
  • [8] http://www.familie-luyken.de/07Genealogie/urenkel/10Gen/10bk2474s.htm
  • [9] http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/Galerien2/galerie1183.htm
  • [10] http://www.kreisblatt.de/lokales/main-taunus-kreis/Ihr-Ruhepol-im-umtriebigen-Leben;art676,1293336

Bildquellen:

  •  eigene Aufnahmen
  •  Aufnahmen von Dietrich Kleipa

Hier noch einige Ansichten vom Rettershof: