Schönau (Odenwald)

 


Steckbrief

Das ehemalige Kloster Schönau zählt zu den wichtigsten Klöstern im mittelalterlichen Deutschland. Es war das Hauskloster der Pfalzgrafen sowie danach der Kurfürsten von Heidelberg. Es reichte mit seiner Vielzahl an Besitzungen vom heutigen Württemberg bis nach Frankfurt am Main. Die Schenken von Erbach, die eigentlich aus dem heutigen Hessen herstammen, haben eine starke Verbindung zu diesem Kloster. Dieses Kloster war vom 14. Jahrhundert bis zum Aussterben der Linie im Jahre 1503 Erbbegräbnisstelle der Schenken von Erbach. So wurde auch Elisbath von Kronberg (KS 28a), die Ehefrau von Eberhard X. Schenk von Erbach hier im ehemaligen Kloster Schönau beigesetzt.

 

Geschichtlicher Abriss

Das ehemalige Zisterzienserkloster Schönau im Odenwald wurde am 21. März 1142 [1], dem ungefähr 50. Geburtstag von Bernhard von Clairvaux (*ca. 1090, † 20.08.1153) [2] gegründet. Bernhard von Clairvaux war einer der bedeutendsten Mönche des Zisterzienserordens und hat ihn entscheidend geprägt. Das Kloster Schönau wurde durch das Kloster Eberbach gegründet, da Schönau damals schon zum Bistum Worms gehörte. Dadurch begründet sich auch die Bindung des Klosters zu den Schenken von Erbach.

Die anfänglichen Holzbauten wurden um 1200 durch eine Ringmauer und steinerne Gebäude ersetzt [3]. Zur Blütezeit des Klosters im 13. Jahrhundert lebten etwa 300 Mönche in Schönau.

Zur Zeit der Reformation wurde das Kloster 1558 durch den Pfälzischen Kurfürst aufgelöst und verfiel zunehmend. 1562 wurden 35 wallonische Glaubensflüchtlinge in der verwaisten Klosteranlage angesiedelt. Diese bauten ihre Fachwerkhäuser in die Klosterruinen und nutzten den Bauschutt als Baumaterial. Noch heute sind Ensembles von alten Klostermauern und Fachwerkwohnhäuser in Schönau zu bestaunen. So wurden z.B. auch verschiedenste Grabsteine als Teil des Mauerwerks, als Grundplatten oder auch als Brückenplatten über den Bach verwendet. Dadurch kommen heute noch bei Bauarbeiten immer wieder historische Stücke ans Tageslicht. Die Wallonen brachten die Gewerke der Tuchmacher und Schönfärber nach Schönau. Um 1600 wurde Schönau erstmals als Stadt bezeichnet [4]. Ende des 16. Jahrhunderts erlangte Schönau sein Stadtrecht und erhielt seine Stadtfahne [5].

 

Nordtor des Klosters mit Wallonenhaus

Nordtor des Klosters mit Wallonenhaus

Die wallonischen „Neubürger“ bauten mit der Zeit das gesamte Gelände des ehemaligen Klosters zu Wohnhäusern um. Einzig die Hühnerfautei und das ehemalige Herrenrefektorium (Speisaal der Mönche) blieb erhalten. Das Herrenrefektorium wurde anfänglich als calvinistische Kirche (Gottedienst in Französisch) heute als evangelische Kirche genutzt. Erhalten ist auch noch das Haupteingangstor des Klosters mit seiner ehemalig benachbarten Klosterschmiede, auf dessen Grundmauern das sog. Wallonenhaus erbaut wurde.

 

 

 

 


Bezug zu den Herren von Kronberg

Über Jahrhunderte galt der Grabstein von Elisabeth von Kronberg (KS 28a) als verschollen bzw. zerstört. Um 1920 tauchte bei Bauarbeiten in Schönau ein erstes Fragment auf und 1995 wurden Ausgrabungen um den nordöstlichen Vierungspfeiler der ehemaligen Klosterkirche durchgeführt. Dabei wurden sieben Grabplatten entdeckt, u.a. die der Elisabeth von Kronberg (KS 28a).

Fundort der Grabplatten in der heutigen Rathausstraße

Fundort der Grabplatten in der heutigen Rathausstraße

Heute steht die Grabplatte wiederaufgearbeitet in der katholischen Kirche zu Schönau. Sie trägt folgenden Text:

+ anno · d(omi)ni ·· cccc° · xi(°) · in · /
die · s(an)c(t)i · luce · ewan(gelis)te · o(biit) · nobil(is) · d(omi)ni · Elizab(eta) · de · crone(n)b(er)g /
Conthoralis · d(omi)ni · eberhardi · (·) pincerne · de · erpach ·

Im Jahr des Herrn 1411 am Tag des hl. Evangelisten Lukas starb die edle Frau Elisabeth von Kronberg, Ehefrau Herrn Eberhards Schenken von Erbach.

Grabstein Elisabeth von Kronberg (KS 28a)

Grabstein Elisabeth von Kronberg (KS 28a)

Der Grabstein zeigt Elisabeth betend mit gefalteten Händen und auf einem Hund stehend, als Zeichen der ehelichen Treue. Das Epitaph hat eine eigene Anordnung der Wappen. Heraldisch rechts oben ist das Kronberg-Wappen ihres Vaters. Heraldisch links müßte das Wappen ihrer Mutter Adelheid von Nassau-Beilstein sein, was sich jedoch heraldisch links unten finden läßt. Statt dessen ist heraldisch links oben das Wappen ihres Ehemanns Eberhard X. von Erbach zu finden (was normalerweise mittig in Form einer Halskette, einer Gewandschleife o.ä. dezent abgebildet wird).

Heraldisch rechts unten ist nicht nur die Großmutter väterlicherseits zu finden, sondern auch die der mütterlichen Seite. Auf dem gespaltenen Schild ist vorne das Westerburg- und hinten das Weinsberg-Wappen zu finden. Heraldisch links unten ist wie oben genannt das Wappen ihrer Mutter gelandet.

Der Einwand von Ulrich Steiger [6], dass Elisabeths Vater, Hartmut VII. von Kronberg (KS 28) aus einer angeblich ersten Ehe zwischen ihrem Großvater Hartmut V. von Kronberg (KS 26) und Margarete Holderbaumer stammt und somit das Wappen von Weinsberg eigentlich fraglich ist, kann nicht gelten, da auf der zwar inzwischen verschollenen Grabplatte von Hartmut VII. von Kronberg (KS 28) im Kloster Lorsch ebenfalls das Weinsberg-Wappen auf seine Mutter Else von Weinsberg hinwies [7].

Wenn nun der Grabstein mit den Vorfahren von Elisabeth von Kronberg (KS 28a) in Einklang gebracht wird ergibt sich folgende Aufstellung:
Systematik KS 28a

kronberg-kronenstamm ① – Hartmut V. von Kronberg (KS 26)

 

Nassau② – Heinrich I. Graf von Nassau-Beilstein

 

Weinsberg ③ – Else von Weinsberg

 

Westerburg-Wappen ④ – Imagina von Westerburg

 

Erbach-Wappen ⑤ – Eberhard X. Schenk von Erbach

 

 


Quellen:

Ein besonderer Dank gebührt dem Verein Alt-Schönau und insbesondere seiner Vorsitzenden Frau Anne-Christel Herion Frey, durch die uns eine Menge Informationen sowie Bildmaterial zugänglich wurde.

  • Die Herren von Kronberg und ihre Reichslehen 1189 – 1704 (Regestensammlung), Wolfgang Ronner, ISBN 3-7829-0507-5
  • Die von Kronberg und ihre Frauen, Wolfgang Ronner, 1992, ISBN 3-7686-6035-5
  • Die von Kronberg und ihr Herrensitz, Ludwig Freiherr von Ompteda, Frankfurt a.M., 1899
  • Nassauische Analen, Band 98, Die von Kronberg, Hellmuth Gensicke, Wiesbaden, 1887
  • Geschlechtsregister derer von Kronberg, Georg Hellwich, Mainz 1625
  • Spurensuche, Museum Hühnerfautei Schönau, Verein Alt-Schönau, Faltblatt
  • Rundgang durch das historische Schönau, Verein Alt-Schönau, Faltblatt
  • Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 1/1999, 28. Jahrgang, Jan.-März 1999
[1] Historischer Stadtrundgang, Stadt Schönau (Faltblatt)[6] Ulrich Steiger, Elisabeth von Kronberg und ihre Ahnen, in „Der Odenwald“,
Zeitschrift des Breuberg-Bundes, Band 44, Heft 4, S. 177-179, aus 1997

 

Weblinks:

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_von_Clairvaux
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Sch%C3%B6nau_(Odenwald)
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6nau_(Odenwald)
[5] http://www.stadt-schoenau.de/pb/,Lde/262449.html[7] http://www.inschriften.net/zeige/suchergebnis/treffer/nr/di038-0020.html#content

 

Bildquellen:

Hier noch einige Ansichten von Schönau im Odenwald: