Seltz

 


Steckbrief

seltz-epitaph-reiheKatharina von Kronberg (FS 74b) starb am 23. März 1563 und war in der Fleckensteinschen Familiengrablege, der Fleckenstein-Kapelle in Seltz beigesetzt. Die Grabsteine der Kapelle wurden wohl schon erstmalig zu Zeiten der französischen Revolution beschädigt. Seit dem 12. September 1898 ist dieser Grabstein, wie auch die anderen verbliebenen durch den Denkmalschutz des französischen Staates geschützt. 1909 wurde die ehemalige Bodenplatte aus grauem Sandstein vom Innenraum der Kapelle in den Außenbereich verbracht, wodurch weitere Schäden durch Verwitterung eingetreten sein dürften. Die massivsten Schäden hat der Epitaph aber bei der Bombardierung von Seltz 1940 bekommen, bei der die Kapelle der Fleckensteins völlig zerstört wurde. Heute steht er östlich der Kirche unter einem Vordach, ist in zwei Teile gebrochen und wird durch Eisenklammern an der Wand gehalten.

 

Geschichtlicher Abriss

Seltz ist eine alte Stadt im Unteren Elsaß und am Fuße der Vogesen, nahe der heutigen Grenze zum Rheinland-Pfalz. Ursprünglich war es im Mittelalter eine Burg von Kurpfalz, da der Rhein auf dieser Höhe schon immer relativ leicht zu durchqueren war. Seltz hat daher keltische sowie römische Wurzeln. 968 schenkte Kaiser Otto I., Begründer des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, den Ort Seltz sowie die benachbarten Flecken seiner Frau Adelheid, die dort eine Benediktinerabtei errichten lies, wo sie selbst 999 verstarb.1058 wurde die ehemalige Kaiserin Adelheid heilig gesprochen und ihr Grab wurde ein Wallfahrtsort.

Heinrich VII. von Fleckenstein, der Urgroßvater von Friedrich Fleckenstein, war nicht nur kurpfälzischer Vogt, sondern er bekam 1450 von Kaiser die Erlaubnis, aus der bisherigen Burg eine befestigte Stadt zu machen und Kaiser Karl IV. erhob Seltz zur Reichsstadt.

Im späten Mittelalter bekam Seltz durch die Lage an der stark genutzten Handelsstraße eine immer größere Bedeutung und somit auch wohlstand. Hier errichteten die von Fleckensteins eine eigene Kapelle, die zur Grablege vieler Mitglieder der Familie wurde. Durch die wechselvolle Geschichte der französischen Revolution bis hin zu den zwei Weltkriegen, ist vieles zerstört und abhandengekommen, anderes zum Glück nur beschädigt. Der hier vorgefundene Epitaph von Friedrich von Fleckenstein und seiner zweiten Frau Katharina, geb. von Kronberg ist ein beredtes Zeugnis davon.

Bezug zu den Herren von Kronberg

Einziger Bezug zwischen denen von Kronbergs und der Stadt Seltz ist aktuellen Wissens nach nur die Grablege von Friedrich von Fleckenstein und seiner zweiten Frau Katharina, geb. von Kronberg (FS 74b). Einschlägige Literaratur spricht bei diesem Grabstein vom Epitaph von „Catharina von Cronberg“ und beschreibt die in den grauen Sandstein gravierten Figuren mit „Christus am Kreuz, flankiert von betenden Spendern und Wappen“. bei genauerer Betrachtung stellt sich jedoch heraus, dass es ein Epitaph für beide als Ehepaar gemeinsam ist. Wäre es alleinig Katharinas Epitap, so müßte auf der Schwertseite ganz oben das Kronberger und auf der Spindelseite ganz oben das Bachsche Wappen erscheinen. Wir finden aber das Kronbergsche Wappen  auf der Spindelseite und darunter das Bachsche Wappen. Auf der Schwertseite ist das Fleckensteiner Wappen zu sehen. Da Katherina keinerlei Fleckensteiner Vorfahren hat, kann sich das Wappen nur auf ihren dritten Ehemann Friedrich von Fleckenstein beziehen. Eigentlich gelten nur die beiden oberen Wappen als identifiziert, aber es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

seltz-fleckenstein

Fangen wir auf der Schwertseite an. Das Fleckensteiner Wappen ist klar, da das ungeteilte Schild mit den Querbalken sowie die Jungfrau auf der Helmzier mit den Büffelhörnern als Arm noch erkennbar ist.

fleckenstein

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Darunter müßte, wenn es die 4-teilige Ahnenprobe von Friedrich von Fleckenstein wäre, das Wappen von Greifenclau zu Vollraths sein und tatsächlich ist eine Lilienhaspel (Glevenrad) in Feld 2 des Schildes sowie der Schrägrechtsbalcken schräg von Feld 1 zu Feld 3 erkennbar. Die Greifenclau zu Vollraths hatten als Helmzier oft eine Laubkrone. Schauen wir auf den Stein, so ist der Platz für eine Helmzier dort nicht vorhanden, da schon das Fleckensteiner Wappen sich dort befindet. Schauen wir aber genau zur Bauklammer, die den oberen Teil des Epitaphs befestigt. so läßt sich auch dort das erwartete Kleinod entdecken.

greiffenclau-zu-vollraths

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 Das nächste Schild darunter müßte einen grünen grünen Querbalcken haben, wenn es zu Rathsamhausen passen sollte und tatsächlich zeigt sich auch auf dem Stein ein deutlicher Querbalken, der das gesamte Schild drittelt. Als Helmzier erkennen wir so etwas wie einen abgewandten (nach rechts gewendeten) Pferdekopf mit etwas um den Hals. Vergleichen wir es mit dem Wappen derer von Rathsamhausen, zeigt es sich als abgewandter Hund mit Halsband. Somit kann auch dieses Schild als identifiziert gelten.

rathsamhausen

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 Als viertes und unterstes Wappen auf der Schwertseite müßte hier das Wappen von Elter (d’Autel) kommen. Die in jedem Viertel befindlichen 5 goldenen Schindeln hat die Witterung längst egalisiert, aber das durchlaufende goldene Kreuz ist klar erkennbar. Als Helmzier hatten dieses Wappen ein abgewendeten wachsenden Mannesrumpf, gewandet in ein wie der Schild bez. Kleid. Auf dem Kopf eine niedrige Mütze. Diese Details sind nicht mehr erkennbar, aber dass der Helmträger abgewendet schaut (also von uns aus nach rechts) ist klar erkennbar.

 elter

Somit ist die komplette Ahnenprobe von Friedrich von Fleckenstein identifiziert.

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 Wenden wir uns nun der Spindelseite zu. Als oberstes Wappen ist klar das Kronberger Wappen durch die jeweils 4 Eisenhüte in Feld 2 und 3 identifiziert. Als Helmzier können wir bei genauerem Hinsehen auch die Kronberg-typischen Flügel erkennen und sogar auf dem hinteren Flügel sind ebenfalls noch Eisenhüte erkennbar. Damit ist dies eindeutig ein Wappen des Kronberger Flügelstammes, der Katharina (FS 74b) ja auch tatsächlich angehörte.

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Unter dem Kronberer-Wappen müßte das Bachsche Wappen zu finden sein und bei genauerem Hinsehen offenbart sich auch hier die die für die von Bach „phrygische Mütze“ – und gleich zweimal! Auf dem Schild sieht man in der oberen Hälfte deutlich die Innenwendung der Mütze und blicken wir zur Helmzier, so stimmen Blickrichtung und unter der Bauklammer des Epitaph ist die Mütze ebenfalls hingewendet zu identifizieren.

bach

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Als nächstes müsste das Reifenbergsche Wappen folgen. Leider ist das Wappenschild so stark abgewaschen, daß nichts mehr erkennbar ist. Einziges erkennbares Detail sind die zwei langen Ohren an der Helmzierde. Machen wir uns kundig in der Heraldik derer von Reiffenberg, dann stoßen wir auf zwei Linien, die als Helmzier zwei Eselsohren trugen und auf dem sechsmal von Silber und Rot schrägrechts geteilten Schild, vermehrt mit einem dreilatzigen blauen Turnierkragen. Somit könnte das Wappen zutreffend sein, was aber aufgrund des verloschenen Schildes nicht eindeutig bestimmt werden kann.

 reifenberg

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Das letzte Schild auf der Spindelseite ist ebenfalls in keiner Weise mehr erkennbar, da die Sandsteinschichten sichtbar abgeplatzt sind. Vergleichen wir es mit dem, was dort sein müßte, dann sehen wir ein senckrecht weiß-rot geteiltes Schild und als Kleinod der Helmzierde einen abgewandt schauenden Hund. Ob die Linien des Steines links von der Bauklammer, die den Epitaph recht unten verankert, als solches gesehen werden können ist fraglich.

 auerbach

Da aber 6 von 8 Wappen identifiziert werden konnten und der Epitaph als gemeinsamer Grabstein der Eheleute Friedrich von Fleckenstein und seiner Frau Katharina (FS 74b) gelten kann ergibt sich folgende Ahnenprobe:

seltz-epitaphsystematik-fleckenstein-kronberg

fleckenstein-kronberg-ahnenprobe-systematik

Namentlich verweisen die Wappen auf der Schwertseite:

  • 1 – [Nicolaus] von Fleckenstein [zu Rödern] (ist zutreffend)
  • 2 – [Friedrich] von Greiffenclau zu Vollraths (ist zutreffend)
  • 3 – [Lutemann] von Rathsamshausen (ist zutreffend)
  • 4 – [Huart] von Elter [auch d’Autel, Herr von Hollenfels] (ist zutreffend)

Auf der Spindelseite:

  • 5 – [Philipp der Jüngere] von Kronberg [vom Flügelstamm, FS 66] (ist zutreffend)
  • 6 – [Walter] von Reifenberg
  • 7 – [Georg] von Bach
  • 8 – [Wilhelm] von Auerbach.

Quellen:

Besonderer Dank gebührt Frau Susann Gemund-Karcher von Burg Fleckenstein, die mir erst einmal den Hinweis auf die Existenz dieses Grabsteines in Seltz gab, den weder Ompteda noch Wolfgang Ronner bekannt war. Somit ist wieder ein kleines Puzzel-Steinchen dazugekommen.

 

Weblinks:

  • http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/Galerien2/galerie1581.htm
  • http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/seite47.htm

Bildquellen:

  •  eigene Aufnahmen

Hier noch einige Ansichten von Seltz: